Herzlich willkommen beim SPD-Ortsverein Forst

Chronik ab 1933

Mit Herz, Kopf und Hand für Sie im Gemeinderat

Etwas über uns:

Geschichte des SPD - Ortsvereins Forst (Vor dem 2. Weltkrieg)

Es ist anzunehmen, daß der SPD Ortsverein (OV) Forst schon vor 1908 gegründet wurde, leider gibt es über den genauen Zeitpunkt der Gründung (noch) keine Dokumente. Der OV nimmt deshalb das Auffinden des Parteibuchs aus dem Jahre 1908 des Genossen Rochus Etzkorn zum Anlaß, im Jahr 1998 das 90-jährige Jubiläum zu feiern

Alle uns bekannten Quellen wurden nach Daten und Dokumenten durchforstet. Weiter ergänzten Erzählungen älterer Mitbürgerinnen und Mitbürger unserer Gemeinde die Recherche. Das (dem OV) vorliegende Protokollbuch beginnt 1929, bis dato existierende Aufzeichnungen gingen leider mit dem ersten Protokollbuch, vermutlich bei einem Brand verloren.

War es 1908 der erstmalige Einzug der SPD in den Landtag, der Rocchus Etzkorn dazu bewog, dieser Partei beizutreten.

War es die damalige, für uns heute nicht mehr nachzuempfindende Bewußtseinsbildung der Arbeiterschaft. Das Bedürfnis nach Gerechtigkeit, Gleichheit, Brüderlichkeit“ ?

Wenn man durch solche Ereignisse, wie das 90-jährige Jubiläum des SPD-Ortsvereins, dazu gebracht wird in alten Unterlagen, Geschichtsbüchern nachzulesen oder Berichte aus der „guten alten Zeit“ hört, noch dazu 100 Jahre nach der Badischen Revolution, macht sich im Innern Ehrfurcht breit vor Menschen, die zu dieser Zeit, unter diesen gesellschaftlichen Umständen einer Partei angehörten, die sich für die Rechte der männlichen und weiblichen Bevölkerung einsetzte. Heutiger Politikverdrossenheit, der ratlosen Bemerkung, was denn überhaupt der Unterschied zwischen den Parteien sei ,kann man/frau entgegnen: “Schaut auf die Wurzeln“ oder besser wo liegen die Grundsätze .Gegenüber anderen, auch demokratischen Parteien, hat sich die SPD nie hergegeben für Unterdrückung, immer war sie ein Verteidiger der Republik. Niemals hat sie Krieg über das deutsche Volk gebracht .Freiheit, Gleichheit und friedlicher Ausgleich mit den Nachbarn standen immer auf ihren Fahnen. Die SPD ist sich treu geblieben, selbst in den dunkelsten Augenblicken der Geschichte .

Zusammenfassung der Protokolle der Jahre 1929-1933

Doch zum Parteigeschehen im Jahre 1929, ab wo das aufbewahrte Protokollbuch berichtet.

Rocchus Etzkorn wird in diesem Jahr erneut zum 1.Vorsitzenden gewählt. Alltägliche Probleme eines kleinen Ortsvereins beschäftigen die Genossen: Lückenhafte Anwesenheit der Mitglieder, säumige Beitragszahler, viel wichtiger die bevorstehende Landtagswahl im Oktober. Fleißig hat man sich getroffen :10 Monatsversammlungen,

2 Wählerversammlungen wurden abgehalten.

Im Frühjahr hatte man mit der Vorbereitung der allerersten Maifeier zu tun, bis dato wurde der „Tag der Arbeit“ nicht begangen. Wie dem Protokoll und dem vorliegenden Zeitungsausschnitt zu entnehmen ist, wurde für ein „Schulfrei“ der Kinder gesorgt, die mit ihnen geplante Wanderung fiel wortwörtlich ins Wasser. Abends fand im „Waldhorn“ die Maifeier der Erwachsenen statt, unter Mitwirkung von Musikverein und Gesangverein Frohsinn. Gegen die Einmischung des damaligen Pfarrer Schmidt wandte man sich ausdrücklich, dies hatte wohl mit seinem -nicht näher ausgeführten -Vorgehen gegen die Arbeiterradfahrer zu tun.

Nach der Sommerpause ging es zuerst um die kommenden Landtagswahlen. Genosse Weißmann aus Karlsruhe,der auch Spitzenkandidat war, würde eine Rede im Gasthaus „Krone“ halten. Schon zeichneten sich die Probleme der Arbeitslosigkeit ab (bis Februar war die Arbeitslosenzahl auf 3 Mio. angestiegen), die Wegebnung durch die englische Regierungspartei ‘’Labour Party’’ wird angedeutet, die Einmischung der katholischen Kirche in Form von Denunziationen ausgeführt.

Im Oktober 1929 finden sich die ersten Hitleranhänger auf der Wählerversammlung der SPD.

Trotz aller Gegner konnte die SPD Forst bei den Landtagswahlen am 27.10.29 35 Stimmen mehr verbuchen als 4 Jahre zuvor. An Stimmen wurden abgegeben :

SPD 165

LSPD 80

Zentrum 580

Hitler 11

Bei der Nachbesinnung kam man zu der Absicht, sich mehr um die Frauen- und Tabakarbeiterinnen bemühen zu müssen, da diese dem Zentrum ihre Stimme geben .

Im Dezember kümmerte man sich um die Ausrichtung einer Weihnachtsfeier mit Kinderbescherung und einem Familienabend .Im Protokoll wird die Weihnachtsfeier als freudevolle Veranstaltung beschrieben, die Letztere muß aus finanziellen Gründen ausfallen.

Im Januar 1930 erreicht die SPD Gemeinderatsfraktion, daß freiwillig aus dem Leben Scheidende nicht in einem Friedhofswinkel beerdigt werden. Das Ausscheiden einer großen Firma aus Forst wird dem Verhalten des Gemeinderats angelastet.

Für das vor ihnen liegende Jahr hofft man dem sozialistischen Gemeinschaftsideal näher zu kommen :

Vorwärts immer - Rückwärts nimmer

Im Februar 1930 wird der alte Vorstand in seinem Amt bestätigt und wiedergewählt.

Im Protokoll erscheint jetzt ein Rückblick auf das vergangene Geschäftsjahr 1930/31 .

Es stellt sich als das vielleicht schlimmste Jahr seit Kriegsende dar, da es„ in Massennot und Massenarbeitslosigkeit verklingt“.

Im Ortsverein diskutieren die Genossen über die Finanzverhältnisse der Reichsinvalidenkasse, die Heruntersetzung der Altersgrenze auf 60 Jahre und die mangelhafte Zentralisation der Berufsgenossenschaften.

Zum Arbeiterfunktag trifft man sich im Gasthaus „Ritter“ am 16.3. zur Sendung von 10-11 Uhr.

Im März findet eine Abendunterhaltung im Gasthaus „Deutscher Kaiser“ statt, dabei geht es auch um Abonnentenwerbung für die Parteipresse, deren Filialinhaber Rocchus Etzkorn ist.

Wieder wettert Pfarrer Schmidt von der Kanzel den Film „Mutter und Kind“, gezeigt im Rahmen des Unterhaltungsabends.

Bei der Vorbereitung des Maifeiertags stellt man fest, daß das Gewerkschaftskartell Bruchsal keine Arbeitsruhe hält. Der Ablauf der Feier ähnelt der vom Vorjahr, nicht alle Kinder haben schulfrei, nur diejenigen, „wo der Vater dazu geneigt ist“ .

In einer Gemeindevertreterkonferenz vom 25.Mai wird fehlerhaftes Verhalten beim Steuereinzug kritisiert. Bei der Arbeiterschaft werden die Steuern sofort eingezogen, wogegen Industrie und Landwirtschaft Stundung bekommen.

Eine Zersplitterung unter den Genossen im Landkreis wird verspürt, der eine Versammlung in Karlsruhe im Juli entgegenwirken soll.

In der Vorbereitung der Reichstagswahlen sieht man als Hauptgegner Zentrum und Hitler, welche als Unternehmerpartei eingestuft wird (im Originalprotokoll spricht man selten von der NSDAP als Partei, auch hier kommt das ´´Führerhafte´´Verhalten zum Ausdruck)

Werbemaßnahmen werden durchgeführt, ebenso Wählerversammlungen: in Baden kämpfen 14 Parteien um die Sitze im Reichstag

Am Sonntag, den 14.9.1930 fand nun die Reichstagswahl statt :

SPD

165 (1928 =160)

Zentrum

488 ( 580)

KPD

267 (80)

Hitler

300 (11)

Bei der Wahlanalyse glaubt man die Wähler von Hitler bei den Landwirten, da diese in großer wirtschaftlicher Not sind. Auch die hohe Arbeitslosigkeit trägt Schuld an dem Erfolg Hitlers. Es wird als Grundziel der SPD angesehen, Arbeitsplatzbeschaffung durch „Arbeitskürzung“. Die Arbeit vor Ort wird aber als wichtiger angesehen, eine Gemeindewahl wirft ihre Schatten voraus: Arbeitskommision, Kandidatenaufstellung, Organisation von Wählerversammlungen, Werbearbeit.

Echt politisch Engagierte waren auch damals schon schwer zu finden, am „Biertisch“ läßt sich leicht Politik machen, Taten folgen nicht.

Nach mehreren Veranstaltungen fanden diese Wahlen statt, die SPD verlor im Vergleich zur Gemeindewahl von 1926 104 Stimmen.

16.11.1930

SPD

158 Stimmen

7 Sitze

KPD

205 Stimmen

9 Sitze

Zentrum

334 Stimmen

15 Sitze

Hitler

324 Stimmen

14 Sitze

Bürgerpartei soz.dem.Bürger (?)

69 Stimmen

3 Sitze

Beim Rückblick auf die Gemeindewahl beschließt man einen Film zu zeigen, der das wahre Gesicht des Nationalsozialismus zeigen soll, da die Wahlschlappe auf das Nachlaufen der Allgemeinheit hinter Hitler, zurückgeführt wird. Die Hitlerfraktion rekrutiert sich hauptsächlich aus ehemaligen Zentrumsleuten. Die Genossen können nicht verstehen, daß die Friedensgesellschaft zwar´´ Referate der Frontsoldaten 1914/18 ´´ halten läßt, aber über den Faschismus noch keine Aufklärungsarbeit betreibt.

Als Schlußsatz ist zu lesen:

Somit ist die ganze Arbeit eines Jahres vorübergegangen.Von Fortschritt haben wir nichts zu verzeichnen, nur Rückschlag haben wir erlitten.Aber trotz alledem steht das Millionenheer von sozialistischen Wählern voll Hoffnung vor der Zukunft in kommender Zeit im Kampf gegen den Faschismus.

Bei der ersten Versammlung im Jahre 1931 wird der alte Vorstand bestätigt und somit wiedergewählt .

Für die heutige Protokollschreiberin ist der Beschluß von Vorteil zukünftig jede Versammlunggleich zu protokollieren.

Unter Punkt Verschiedenes erfahren wir,daß der Filmvortrag nicht stattgefunden hat.

Ein geplanter Parteiausschluß eines ´´Genossen ohne Parteibuch´´ beschäftigt die Genossen die nächsten Wochen heftig.

Am Sonntag den 2.Mai hielt man eine Parteiversammlung mit anschließender Maifeier ab, die sehr schlecht besucht war .Ein Referent hob die Wichtigkeit von Arbeitszeitverkürzung, Völkerfrieden, Abrüstung hervor.

Im Juni 31 fiel wegen des Jubiläums der Arbeiterradfahrer an zwei Samstagen die Monatsversammlung aus.

Auf der Monatsversammlung im Juli wird über eine Bürger-und Biersteuer beraten. Die Hitleranhänger wollen für Gemeindebeamte eine frei Lohnvereinbarung, wodurch sie sich als Gegner der Gewerkschaften eingestuft werden. Die Haltung des Metallarbeiterverbandes sich mit 80% Urlaubsbezahlung zufriedenzugeben, wird getadelt.

Die Parteiversammlungen im August, September und Oktober fielen wegen mangelnder Teilnahme aus.

Im November tadelt man die Spaltung der SPD, wo es doch notwendig wäre, als geschlossene Arbeiterpartei gemeinsam gegen den Faschismus vorzugehen.

Auf der Dezemberversammlung wird eine Rathausaffäre erwähnt, wo es nicht möglich war Kommunisten und Faschisten “vom Rathaus herunterzubringen

1932

Parteisekretär Genosse Trinks hält eine eindringliche Rede auf der Februarzusammenkunft.Ziel muß sein : Kampf dem Faschismus, und wenn es an Selbstmord der Partei grenzt. Da dieser ,wenn er an die Macht käme ,alle Arbeiterorganisationen zerschlagen würde..

Über die Arbeit der Landtagsfraktion erfahren wir, daß sie zum Wohle der Arbeiterschaft ist, aber die Partei sei schwächer in den Landtag eingezogen als erwartet und die Regierungsbildung sei schwierig Meinungsverschiedenheiten dürfe es wohl geben, aber nur zum Nutzen der Partei.

Im Februar des Jahres 32 kritisieren die Genossen die Kandidatur Hindenburgs, welchen sie als den Stahlhelmen zugehörig sehen. In der Vorstandschaft, die wieder neu gewählt wird ändert sich nichts. Warum Bürgermeister Weindel vom Verwaltungsgerichtshof seines Amtes enthoben wurde erfahren wir nicht.

Immer wieder liest man die Zeile :``...und man ging zum gemütlichen Teil über.´´

Aus dem Protokoll vom Februar 1932 entnehmen wir, daß es um die anstehende Bürgermeisterwahl geht Genosse Böser wird als Kandidat nominiert, da er sich seit 1930 als Bürgermeisterstellvertreter bewährt habe.

Die KPD bietet die Bildung einer Einheitsfront an, worüber die Genossen erst nach der Reichspräsidentenwahl sprechen wollen.

Die Reichspräsidentenwahl ging in Forst am 13.3.32 mit folgendem Ergebnis aus:

Hindenburg

737

Hitler

295

Tehlmann KPD

290

Die/üsterberg

6

April 32 halten es die Genossen nicht für gut ,Hitlerversammlungen alleine zu besuchen.Häuser werden mit ´´politischem Unsinn´´ beschmiert. Die Bürgermeisterwahl geht in den zweiten Wahlgang.

Bei der Maifeier im Jahr 32 waren noch nicht einmal mehr alle Parteigenossen anwesend, von öffentlichen Feierlichkeiten hatte man wohl abgesehen.

Die Bürgermeisterwahl findet über die folgenden Monate (Mai, Juni ) kein Ergebnis:

KPD und Zentrum

24

Hitler

17

SPD

8

Laut Badischer Gemeindeverordnung hat das Ministerium das letzte Wort .

Im Juli fand in Heidelsheim die Bezirksgruppenkonferenz statt, ein lehrreiches Referat

über Monarchisten und Kapitalisten wurde gehalten, der nächste Tagungsort sollte Forst sein.

In der Gaststätte Waldhorn fand die erste öffentliche Wählerversammlung statt.Genosse Zwecker hielt ein einstündiges Referat über die ´´braunen Mordgesellen´´.

Die in langem ,politischen Kampf gestandene Reichstagswahl fand am 31.7.32 statt.Ergebnis :

SPD

79

(1930 =166)

KPD

282

(1930=267)

Hitler

311

(1930 =300)

Zentrum

514

(1930= 488)

August, September 32 fanden keine Versammlungen statt.

In der Nachbesinnung zur Wahl weiß man nicht, wie es zu solch einem Stimmenverlust kommen konnte. Ein Bürgermeister, eingesetzt vom Ministerium des Innern, Genosse Karl Pfister erscheint das erste Mal auf einer Versammlung. Er sei schon 30 Jahre Sozialdemokrat und habe die Ziele der Partei nie verleugnet.

Zu einer erneuten Reichstagswahl fanden zwei Wählerversammlungen statt, mit informativen Referaten zur NSDAP.

So konnte man beim zweiten Wahlgang 19 Stimmen mehr verbuchen.

SPD

98 (79)

KPD

282 (353)

Hitler

343 (311)

Zentrum

484 (514)

Im Jahre 1933 wird das Anpflanzen von Amerikanerreben verboten.

Die Lage bei nicht Hitlerkonformen Gruppen verschärft sich, die Arbeiterradfahrer werden aufgelistet, Hausdurchsuchungen bei Genossen finden statt. Ohne daß man sich “staatsfeindlich betätige, müsse man Schikanen erdulden”

Ergebnis der Reichstagswahl 1933

1933

06.12.1932

SPD

112

98

KPD

336

282

DN

3

Hitler

553

353

Zentrum

640

484

Der Abschnitt des zweiten Protokollbuchs des SPD Ortsvereins Forst, das jetzt auf herausgerissene Seiten hindeutet und erst wieder 1945 weitergeführt werden kann, endet mit dem Satz :

Somit war der politische Kampf beendet und die Nazipartei war am Ruder. Wir wollen das Ende abwarten. Wir haben es nicht gewollt .

Zusammenfassung: Ulrike Böhrer-Leibold

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