Herzlich willkommen beim SPD-Ortsverein Forst

Chronik ab 1944

Mit Herz, Kopf und Hand für Sie im Gemeinderat

bis 1933 1945 - heute 100 Jahre SPD Ortsverein Forst

Beharrlicher Einsatz für soziale Demokratie

Rund ein Jahrhundert gibt es ihn nun schon, den Ortsverein der Sozialdemoktatischen Partei in Forst. Allerdings verlieren sich seine Anfänge im Dämmerlicht der Geschichte: Irgendwann bald nach der Aufhebung des Bismarkschen Sozialistengesetzes nach 1880, muss er gegründet worden sein, aber das genaue Datum konnte bislang noch nicht ermittelt werden.

Die erste Hälfte seiner Geschichte ist durch die klare Zäsur von der zweiten geschieden. Nach der Machtergreifung der Nationalsozialisten 1933 wurde auch in Forst ein langes Stück sozialdemokratischer Parteigeschichte gewaltsam abgebrochen. Kaum war die braune Diktatur besiegt, regte sich neues politisches Leben. Gefördert wurde dies durch die Alliierten, die während der Potsdamer Konferenz als einen ihrer Grundsätze gerade die „Entwicklung der örtlichen Verantwortlichkeit“ und schnellstmöglicher Wahlen auf kommunaler Ebnen beschlossen hatten. Als die amerikanische Militärregierung am 30.August 1945 die Erlaubnis der Bildung „demokratischer politischer Parteien“ veröffentlichte, war dies auch für die Sozialdemokraten im alten Landkreis Bruchsal Signal, ihre Organisation wieder zu begründen. Ihr erster Ortsverein formierte sich schon im Oktober 1945 in Odenheim.

Wenig später war es auch in Forst soweit: Am 18. Dezember 1945 beantragter 3 altgediente Parteigenossen Herrmann Lackus, Heinrich Endress und Heinrich Brückel die Wiederzulassung des Ortsvereines bei der Militärregierung. Nach der Genehmigung und öffentlicher Werbung um Mitarbeit fand am 5. Januar 1946 die Gründungsversammlung im Gasthaus „Ritter“ statt. Der vor 1933 langjährige Vorsitzende Rochus Etzkorn leitete die Versammlung. Zum neuen Vorsitzenden wurde Josef Hoffmann gewählt, der bis zur Auflösung des Ortsvereines lange Jahre als Schriftführer im Parteivorstand tätig gewesen war.

Erste Erfolge

Bereits am 27.Januar 1946 war die wahlberechtigte Bevölkerung aufgerufen, nach den langen Jahren der NS-Diktatur das erste mal frei zu wählen. In Forst bewarben sich neben der SPD auch die CDU und die KPD um die Gunst der Wähler. Die SPD schnitt hervorragend ab: Mit 32,1% der Stimmen gelang es ihr in Forst das drittbeste Ergebnis im ganzen Landkreis zu erzielen. Als Gemeinderäte zogen Josef Hoffmann, Heinrich Brückel, Heinrich Diehl, in das damals 8köpfige Gremium ein.

Im mehr oder minder provisorischen ersten Gesetz über die Verwaltung und die Wahlen in den Gemeinden war festgelegt worden, dass die Bürgermeister von den Gemeindeparlamenten gewählt werden sollten. Wie nicht anders zu erwarten war, setzte sich deshalb bei der Wahl am 27.März 1946 der Kandidat der fünfköpfigen Mehrheitsfraktion durch.

Welches Gewicht der SPD in Forst aber zukam, zeigten die ersten Kreistagswahlen am 28. April 1946. Wieder errang die Partei in Forst ihr drittbestes Kreisergebnis und konnte sich dabei sogar auf einen Anteil von 39,6% der Stimmen steigern. Insgesamt errang die SPD 9 der 34 Kreistagssitze. Mit dabei war auch ein Forster Hermann Lackus, der ehemalige Ratschreiber der Gemeinde und Mitbegründer des Nachkriegs-Ortsvereines. Genosse Lackus wurde kurz darauf sogar in das damals noch bestehende Präsidium des Kreistages, den achtköpfigen Kreisrat gewählt.

Per Gesetz waren die ersten Mandatsperioden auf maximal zwei Jahre begrenzt worden. Nachdem die Zeit erster Provosorien überwunden war und sich ein ordentlicher württemberg-badischer Landtag konstituiert hatte, wurde am 15. Oktober 1947 ein neues Wahlgesetz erlassen, das für die nächsten Kommunalwahlen die Rahmenbedingungen gravierend veränderte: Grundsätzlich galt zwar weiterhin das Verhältniswahlrecht, doch erstmals wurden die - bis heute üblichen - Möglichkeiten des Kumulierens und Panaschierens eingeführt. Außerdem waren die Bürgermeister nicht durch die Gemeinderäte, sondern direkt durch die wahlberechtigten Bürger zu wählen.

In Forst hatten die Wahlrechtsänderungen deutliche Folgen. Die wähler nutzten am 7.Dezember 1947 im breiten Maß das Angebot, die vier Listen nach ihren Vorstellungen zu verändern. Allerdings kann dies im nachhinein nicht mehr rekonstruiert werden. Erhalten sind nur die Ergebnisse auf Stimmzettelbasis. Mit 36,3% der Stimmzettel lag sie nur ganz knapp hinter der CDU die nur noch 36,9% erreicht hatte. Leider entschied der winzige Unterschied von 10 gültigen Stimmen über einen ganzen Gemeinderatssitz. Im nunmehr 12 köpfigen Gemeinderat stellte die CDU weiterhin 5 Räte, die SPD 4, die DVP 2 und die KPD 1. Neben die bisherigen Gemeinderäte Hoffmann und Heinrich Diehl rückten die Genossen Max Diehl und Anton Endres in das Dorfparlament ein.

Auch bei der am selben Tag stattfindenden Kreistagswahl konnte sich die SPD deutlich verbessern. Sie besetzte nun 12 der 34 Sitze. Vielleicht war es der nicht mehr ganz nachvollziehbaren Wahlkreis-Einteilung zuzuschreiben, daß Hermann Lackus als Kreistagsabgeordneter nicht mehr bestätigt wurde (mit Forst bildeten Hambrücken, Oberöwisheim, Münzesheim, Neuenbürg, Zeutern und Odenheim den Wahlkreis 5, Ubstadt und Weiher gehörten dagegen mit Karlsdorf in den Wahlkreis 7). Vielleicht war es aber die Dominanz des DVP Vertzreters Josef Weindel der in der Folge das Dorf als einziger im Kreistag vertreten sollte. Weinel setze sich übrigens auch bei der Bürgermeister-Direktwahl im Februar 1948 durch. Ein Erfolg wie in Ubstadt, wo mit Hugo Knebel ein sozialdemokratischer Bürgermeister gewählt worden war, und die SPD die Hälfte der Gemeinderatssitze einnahm, kam in Forst nicht zustande.

Rückschläge und innere Schwierigkeiten

In den folgenden 25 Jahren galt ein rollierendes Wahlsystem, bei dem alle 3 Jahre immer nur die Hälfte der Gemeinderäte neu gewählt wurden. Trotz intensiver Bemühungen konnte die Zahl der Mandate nicht dauerhaft verteidigt werden. Zusätzlich traf den Ortsverein einen herben Schlag, als sein Ortsvereinsvorsitzender Josef Hoffmann im Juli 1959 verstarb. An seine Stelle rückte in den Gemeinderat Josef Alois Böser ein, den Vorsitz übernahm Wilhelm Lackus. Dem neuen Vorsitzenden gelang es jedoch nicht, in den bewegten sechziger Jahren die Ortsgruppe vor kräftezehrenden inneren Auseinandersetzungen zu bewahren. Die Aktivität ließ immer mehr nach, am Ende wurde sie kaum noch protokolliert. Die Folgen waren absehbar: Zwischen den zeitweise fast gleichstarken Listen der CDU und der Freien Wähler konnte die SPD bei den Wahlen dieser Jahre nur bescheidene Ergebnisse erringen. Nur selten waren mehr als 20% der Wählerstimmen zu gewinnen.

Trendwende

Die guten Ergebnisse, die die SPD bei der Bundestagswahl 1072 auch in Forst erzielte (gegenüber 1969 hatte man 6 Punkte und gegenüber 1961 gar 12 Punkte zulegen können), ließen sich zwar nicht unmittelbar auf die Kommunalebene übertragen, doch immerhin gelang es die Position zu stabilisieren.

1971 hatte Helmut Etzkorn den Vorsitz des Ortsvereines übernommen, und bei den Kommunalwahlen im selben Jahr wurde er auch in den Gemeinderat gewählt.

Nach der Gemeinde- und Kreisreform 1971/72 wurde erstmals am 20 April 1975 wider ein neuer, nun 18köpfiger Rat als Ganzes gewählt. Neben Helmut Etzkorn konnte nur Ursula Firnkes die Position der Sozialdemokraten vertreten. Im Juni des selben Jahres übernahm Helmut Bender den Vorsitz des Ortsvereines von Helmut Etzkorn, der sich ganz auf sein Gemeinderatsmandat konzentrierte. Bei den Wahlen 1980 konnten schon drei Sozialdemokraten in den Forster Gemeinderat einziehen: Neben Helmut Etzkorn Helmut Bender und Robert Schrag. Alle drei wurden auch bei den Wahlen 1985 bestätigt.

Seit 1985 führt Theo Grimm den forster Ortsverein der SPD, der nächstes Jahr den 50. Geburtstag seiner Neugründung feiern kann. Theo Grimm wurde mit Helmut Bender, Manfred Emmert und Harald Stehfest 1989 auch erstmals in den Gemeinderat gewählt. Diese 4 Sitze konnten auch bei der letzten Kommunalwahl 1994 behauptet werden. Mit einem hervorragenden Ergebnis zog Ursula Firnkes dabei erneut in das Gemeinparlament ein. Und überdies gelang Ihr: was Forster Sozialdemokraten über Jahrzente verwehrt geblieben war: Bei der gleichzeitigen Kreistagswahl eroberte sie sich ein Mandat. Jahrzentelange konsequente Arbeit für den Ortsverein und sozialdemokratische Positionen wurden unübersehbar belohnt.

Konrad Dussel

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